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Ohne Umwege zu eigenen Liedern

The Weight & The Warmth aus Südbaden bringen Debüt-Album auf den Markt / Teilnahme beim Firewire Bandcontest in Liestal.

Jan Faißt, Marvin Mears und Patrick Rötteler (von links)  Foto: Loisl Mink

 

„Sie machen Indie-Rock, schreiben eigene Songs und haben große Pläne: The Weight & The Warmth heißt eine junge Band aus der Region, die erst seit August zusammen spielt. Am 1. Dezember erscheint bereits ihr erstes Album, und am 19. November nimmt das Trio am Firewire Bandcontest in Liestal teil – als einzige Band aus Deutschland. Sänger und Rhythmusgitarrist der Band ist der 19-jährige Marvin Mears aus Schopfheim. Er ist auch als Solist und Singer-Songwriter schon in der Region aufgetreten, unter anderem beim Bardentreff im Nellie Nashorn. Weiterhin gehören der 20-jährige Schlagzeuger Patrick Rötteler und der 19-jährige Leadgitarrist Jan Faißt zu der Band, beide kommen aus Freiburg.

Die drei haben sich über Facebook kennengelernt. Obwohl sie alle einen ganz anderen musikalischen Hintergrund haben, haben sie sich auf Anhieb bestens verstanden, zumal alle drei ihre Leidenschaft für die Musik schon seit Kindesbeinen pflegen. „Ich mache Musik seit ich denken kann“, stellt Marvin Mears, Sohn des Jazz-Posaunisten und Basler Musikprofessors Adrian Mears, fest. Patrick Rötteler hat mit vier Jahren begonnen Schlagzeug zu spielen, und auch Jan Faißt hat schon in früher Jugend mit der Musik angefangen.

Mears war bisher musikalisch im Singer-Songwriter-Bereich unterwegs, Rötteler hat in einer Jazzband getrommelt und hat deswegen auch komplexe und anspruchsvolle Rhythmen drauf, und Faißt hat in einer Rockband gespielt. Als The Weight & The Warmth machen sie nun Indie-Rock, an musikalischen Einflüssen und Wegweisern nennen sie Editors, Arctic Monkeys und Arcade Fire. „Wir legen Wert darauf, dass sich nicht alle unserer Songs gleich anhören“, betont Sänger Mears. Und die Phase manch anderer Band, erst einmal Cover-Songs zu spielen, haben sie einfach ausgelassen.

Von Anfang an spielten sie eigene Songs, wobei Mears die oft gesellschaftskritischen Texte schreibt und ein Grundgerüst des Songs entwickelt, das zu dritt ausgebaut und verfeinert wird. Der Name The Weight & The Warmth steht für die melancholischen Texte, die das Gewicht und das Fundament der Songs bilden, und die treibenden und fröhlichen Melodien, die den Songs ihre Wärme geben. Vor Kurzem hatten sie einen abendfüllenden Liveauftritt bei der Musiknacht im Schlosskeller Emmendingen, und der Singer-Songwriter Marvin Mears war beeindruckt, wie die Besucher zu ihrer Musik zu tanzen begannen und von der Band begeistert waren. „Das hat uns nochmal einen Motivationsschub gegeben“, stellt Patrick Rötteler fest.

Die drei Jungs haben das ehrgeizige Ziel, ihre Professionalität rasch zu steigern. Deshalb proben sie jeden Samstag vier bis sechs Stunden lang in ihrem Probenraum in einem Keller im Basler Bankenviertel. Der Firewire Bandcontest in Liestal, der das Ziel hat, den Bandnachwuchs und die Musikszene in der Region Nordwestschweiz zu fördern, könnte ein Sprungbrett sein.

Am 18. und 19. November spielen je vier Bands pro Abend, The Weight & The Warmth sind am Samstag, dem 19., ab 22.10 Uhr an der Reihe. Den drei besten Bands winken Preisgelder für eine Plattenproduktion und Auftrittsmöglichkeiten am Liestal Air oder am Jugendkultur Festival Basel. Wer die besten sind, das entscheidet zu 50 Prozent eine Jury und zu 50 Prozent das Publikum. Der Contest war schon für manche Band, etwa für „Sheila she loves you“, ein Sprungbrett für weitere Würden.

Am 1. Dezember erscheint dann das erste Album von The Weight & The Warmth, zwei Singles daraus wird es auch bei Spotify und als MP3-Download bei Bandcamp geben. Aber die CD, die man über die Homepage der Band bestellen kann, bietet mit aufwendiger Gestaltung und Bandinfos noch einen Mehrwert. Die drei wollen auch ein You-Tube-Video aufnehmen, und für die Saison nächsten Sommer hoffen sie auf Auftritte bei Festivals.

Live-Konzerte von The Weight & The Warmth in der Region: 19. November: Firewire Bandcontest, Modus Club, Liestal (Basel-Land). 16. Dezember: Haus der Jugend, Freiburg. 7. Januar 2017: SPH Bandcontest, Gaststätte Waldsee, Freiburg. 25. Januar: Live Check, Altes Wasserwerk, Lörrach.

 

Zwischen Rock und Knusperpop

Von allem etwas bot die 18. Emmendinger Musiknacht des Gastrozirkels: Coverversionen und Eigenes, Oldtimer und Newcomer.

Die Thriller Pfeifen im Caffe Narona  Foto: Georg Voß

 

The Weight & The Warmth  Foto: Georg Voß

EMMENDINGEN. Oldies und Newcomer mischten sich bei der 18. Emmendinger Musiknacht des Gastrozirkels. So waren viele Coverversionen zu hören, aber auch Eigenkompositionen in den neun Lokalen, in denen Bands der unterschiedlichen Art auftraten. Für jeden Geschmack etwas, von Mundart über Pop und Rock bis Rockabilly, von Elvis bis Red Hot Chilli Peppers. Wer wollte, konnte einer Band treu bleiben und zum Abwinken mit ihnen feiern. Jede Band hatte vier Sets à 40 Minuten Zeit zur Verfügung.

Im Palio spielten Two 55 akustischen Pop und Rock. Die Band um den charismatischen Sänger Fabian Funke überzeugte. Locker und relaxt begannen sie ihr Set mit „Weather with you“ der australisch-neuseeländischen Band Crowded House. „Wer will, kann noch mal kommen“, sagte der Sänger über das Regelment dieses Abends. Das Palio war schon gut gefüllt. Seine hohen Stimme passte auch zu Whitney Houstons „I wanna Dance with Somebody“. Mehrstimmigen Gesang gab es dazu. Ihr Repertoire reichte auch bis zum Disco-Standard à la „We don’t talk anymore“ von Cliff Richard aus dem Jahre 1979. Allesamt gut gespielte Songs, aber zum Tanzen nicht ganz so geeignet.

Das war dann eher im Hinterhaus angesagt, und die Musik der Rocket Rats ging gleich in die Beine. Die vier Musiker um Sänger und Gitarrist Shakin‘ Rat Uwe hatten so viel Spaß auf der Bühne oder im Pulk von tanzenden Besuchern, dass sie, einmal in Spiellaune, sich nicht ans Reglement hielten und einfach weiterspielten. Ihr Fundus an Rockabilly oder Rock ’n‘ Roll Nummer scheint unerschöpflich zu sein. So wie sie die alten Klassiker wie Elvis‘ „That‘s allright“ oder Chuck Berrys „Sweet Little Sixteen“ – die meisten waren Ü16 im Hinterhaus – spielten, hauchten sie den alten Nummern frisches Leben ein.Und für diejenigen, die noch am Mittwochmorgen verkatert zum Arzt gehen müssen, gab Shakin‘ Rat Uwe noch eine Empfehlung mit auf dem Weg: „Rock Therapy“ von Johnny Burnette: „Well I don’t need a doctor, I don’t need a pill … I need Rock Therapy.“

So therapiert, konnten sich die Gäste der 18. Emmendinger Musiknacht auch noch entscheiden zwischen Goschehobel, alemannischen Folk-Rock, in der Vielharmonie, der Rockmusik von „Sturmtief“ in der Bier Börse oder noch mehr Rock ’n‘ Roll mit Bonnie Blade and the B-Flat C im Emotion.

Ebenso zum Tanzen geeignet waren die Rockklassiker von One Way Train im Fux’n – trotz teilweise stickiger Luft zu „Rock around the Clock“ oder Carl Perkins „Blue suede shoes“. One Way Train setzen auch immer wieder Kontrapunkte, so mit Steve Millers „Joker“. In blauen Velourlederschuhen ging es weiter ins Shamrock, in dem Bähd en bluh wiederum Rockklassiker spielten. „Child in Time“, kennt fast jeder, nur konnte Ian Gillan besser schreien.

Eine Überraschung gab es dann im Schlosskeller. Kurzfristig sprangen The Weight and the Warmth für Groombridge ein. The Weight and the Warmth aus Freiburg sind absolute Newcomer, die ihr erstes Konzert überhaupt spielten, so Marvin Mears, Leadsänger und Gitarrist. Auch ihr Indie/Alternative Rock lockte zum Tanzen. Marvin Mears, Patrick Rötteler (Drums) und Jan Faißt (Gitarre) spielten Eigenkompositionen, überzeugten aber auch mit Coverversionen von „Under the bridge“ der Red Hot Chilli Peppers oder „Chasing Cars“ von Snow Patrol.

Etwas ruhiger ging es schließlich mit deutschsprachigen Songtexten im Caffe Narona zu mit den Thriller Pfeifen aus Mainz und ihren teilweise romantisch-melancholischen Texten mit Augenzwinkern: „Und schon wieder ein Jahr älter“ oder „Flieg mit mir.“ Der Stil der Band um den Gitarristen und Sänger Toto liegt zwischen Rock und „Knusperpop“.